Staffel 01 / Folge 01
Warum Babys nicht einfach schlafen
Nähe, Familienbett und der Weg zum selbstständigen Einschlafen
In dieser Folge spricht Oskar mit Gabriela über den Schlafalltag mit ihrem siebenmonatigen Sohn Miro: über Einschlafhilfen, das Familienbett und den langen, geduldigen Weg zum selbstständigen Einschlafen. Ein ehrlicher Einblick in eine Phase, die fast alle Eltern im ersten Lebensjahr beschäftigt.
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Gabriela: Er wäre durchgedreht, wenn ich nicht da war. Und wenn ich da war, dann war halt immer irgendwo auch die Brust in der Nähe.
Oskar (Intro): Willkommen bei Kompass Kindheit, dem Podcast über Kindheit, Entwicklung, Erziehung und das Zusammenleben mit Kindern. In dieser Folge dreht sich alles um den Schlaf von Babys – ein Thema, das fast alle Eltern im ersten Lebensjahr beschäftigt. Heute spreche ich mit Gabriela. Ihr Sohn Miro ist sieben Monate alt. Sie erzählt offen aus ihrem Familienalltag: was rund um den Schlaf gut funktioniert, was herausfordernd ist und welche Fragen sie beschäftigen. Wir sprechen über Einschlafhilfen und Selbstregulation, über das Familienbett, über Erwartungen an guten Babyschlaf und darüber, warum nächtliche Bedürfnisse nichts mit falschen Gewohnheiten, sondern mit Entwicklung zu tun haben.
Gabriela: Wir sind gerade mittendrin. Ich habe das Gefühl, dass sich beim Schlafen ständig etwas verändert. Im Moment erleben wir wieder einen grossen Wandel – vor allem beim Tagesschlaf.
Oskar: Erzähl mal.
Gabriela: Eigentlich hatten wir tagsüber schöne Schlafrituale entwickelt. Mir war wichtig, dass der Kleine nicht nur an einem Ort schläft, auch wenn das von Anfang an gar nicht so einfach war. In der Trage hat er immer sehr gut geschlafen, ebenso in der Babywippe. Im Moment schläft er nach wie vor wunderbar in der Trage und inzwischen auch wieder gut im Kinderwagen. Aber die Babywippe funktioniert nicht mehr. Das ist schade, weil sie zu Hause eigentlich der einzige Ort war, an dem er ausser beim Stillen einschlafen konnte. Jetzt fällt die Wippe ohnehin weg, weil er sich aufsetzt und aufsteht. Heute Morgen war ich schon um halb acht mit meinem Frühstück und Miro in der Trage draussen auf unserem Aussichtspunkt. Wenigstens hat er dort gut geschlafen. Schlaf ist für ihn unglaublich wichtig. Ich habe den Eindruck, dass er durch seine grosse Bewegungsfreude schnell müde wird. Wenn er übermüdet ist, merkt man sofort, dass ihm kleine Missgeschicke passieren, weil er nicht mehr sicher sitzt oder steht. Deshalb beobachte ich ihn gut und begleite ihn rechtzeitig in den Schlaf – auch wenn er selbst manchmal noch gar nicht einschlafen möchte.
Oskar: Wie oft schläft er tagsüber?
Gabriela: Meistens drei- bis viermal. Etwa eine Stunde nach dem Aufstehen braucht er bereits den ersten Schlaf. Je nachdem, wann wir am Abend ins Bett gegangen sind, steht er um sechs oder sieben Uhr auf. Nach etwa einer Stunde wird er wieder müde und schläft meist rasch ein. Danach schläft er nochmals vor dem Mittag, am Nachmittag und manchmal auch gegen den späteren Nachmittag. Manchmal braucht er diesen letzten Schlaf aber nicht.
Oskar: Er ist jetzt sieben Monate alt. In den nächsten Monaten wird er tagsüber wahrscheinlich etwas weniger schlafen. Im Moment schläft er noch viermal am Tag. Im zweiten Halbjahr werden die Wachphasen meist länger, und viele Kinder wechseln nach und nach von vier auf drei und später auf zwei Tagschläfchen. Genau in dieser Phase seid ihr gerade.
Gabriela: Gerade am Abend merken wir das. Wir fragen uns oft, ob er den letzten Schlaf noch braucht oder ob er das spätere Einschlafen eher erschwert. Eigentlich braucht er ihn, weil sonst das Abendessen schwierig wird. Und Papa kommt meistens erst nach Hause und möchte ihn auch noch richtig sehen. Gleichzeitig ist Miro dann oft schon müde, aber früher ins Bett bringen können wir ihn auch nicht. Das ist im Moment gerade die Herausforderung.
Oskar: Das wird sich in den nächsten Wochen wahrscheinlich wieder verändern. Irgendwann mit acht oder neun Monaten wird er diesen frühen Abendschlaf vermutlich nicht mehr brauchen, weil er längere Wachphasen besser aushalten kann. Du hast erzählt, dass er früher in der Babywippe gut eingeschlafen ist und beim Stillen ebenfalls einschläft. Schläft er auch einmal ohne deine Unterstützung ein?
Gabriela: Leider praktisch nie. Ich wäre sehr froh um einen Tipp. Im Kinderwagen klappt es am ehesten, weil er dort auch auf ruhigem Untergrund einschläft. Ich überlege sogar schon, den Kinderwagen ins Haus zu stellen. In den ersten drei Monaten konnte ich ihn überhaupt nicht hinlegen. An Schlaf im Bettchen war gar nicht zu denken. Sobald ich ihn auf den Rücken legte, protestierte er sofort. Wenn ich bei ihm war, gehörte die Brust irgendwie immer dazu – das war für ihn eng mit dem Einschlafen verbunden.
Oskar: Er wird ja auch von deiner Schwiegermutter betreut. Ist es bei ihr ähnlich oder gelingt es ihr leichter, ihn zum Schlafen zu bringen?
Gabriela: Bei ihr klappt etwas anderes. Sie kann ihn einfach auf der Schulter halten und irgendwann schläft er ein. Das ging bei mir viel weniger. Bei mir musste meist noch Bewegung dabei sein – deshalb nehme ich ihn häufig in die Trage.
Oskar: Die entscheidende Frage ist ja: Ist diese Situation für euch belastend? Es gibt Eltern, die sagen: «So wie es ist, passt es für uns.» Andere wünschen sich, dass ihr Kind mit der Zeit auch selbstständig einschlafen kann. Ich habe den Eindruck, dass ihr euch Letzteres grundsätzlich wünschen würdet. Stimmt das?
Gabriela: Grundsätzlich ist es für mich kein Problem, dass er mir so nahe ist. Aber einmal am Tag einfach etwas erledigen zu können, während er schläft – das wäre schon schön.
Oskar: Das gibt es leider nicht einfach auf Knopfdruck. Kinder müssen im ersten Lebensjahr erst lernen, selbst einzuschlafen. Sie entwickeln Schritt für Schritt die Fähigkeit, sich selbst zu beruhigen und in den Schlaf zu finden. Im Moment hilfst du ihm dabei – durch das Stillen, die Babywippe, den Kinderwagen oder die Trage. Das sind alles Einschlafhilfen. Und weil er sie zum Einschlafen braucht, braucht er sie häufig auch dann, wenn er nachts wieder aufwacht. Ist das bei euch so?
Gabriela: Ja.
Oskar: Genau. Man kann nicht in einem Moment sagen: Jetzt braucht er diese Hilfe nicht mehr – und im nächsten Moment dann doch wieder. Er muss nach und nach lernen, auch ohne diese Hilfen einzuschlafen.
Gabriela: Wie würdest du das angehen?
Oskar: Dafür gibt es keinen Trick, der von heute auf morgen funktioniert. Es ist ein Prozess über Wochen und Monate. Vor allem in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres und dann auch im zweiten Lebensjahr lernen Kinder, sich zunehmend selbst zu beruhigen. Man kann sie dabei unterstützen, indem man sie müde, aber wach ins Bett legt und bei ihnen bleibt. Man streichelt sie, berührt sie, spricht ruhig mit ihnen – nimmt sie aber nicht gleich wieder heraus. So gibst du ihnen die Möglichkeit, eigene Wege zu finden, in den Schlaf zu kommen.
Oskar: Stillen sollte dabei möglichst nicht die eigentliche Einschlafhilfe sein. Es dient in erster Linie der Nahrung. Wenn du merkst, dass er müde ist, kannst du ihn nach dem Stillen wach ins Bett legen und ihn dort begleiten. Das braucht Zeit und Geduld. Man kann dann nicht einfach mit dem Kinderwagen loslaufen und hoffen, dass er einschläft. Man muss präsent sein und ihn durch diesen Lernprozess begleiten.
Oskar: Es gibt noch andere Dinge, die helfen können. Hat Miro einen Schnuller?
Gabriela: Nein, den nimmt er nicht.
Oskar: Dann ist für ihn die Brust im Moment der Ersatz dafür. Ein Schnuller hat den Vorteil, dass er nicht an deine Anwesenheit gebunden ist. Viele Kinder können sich über das Saugen selbst beruhigen. Aber es gibt auch Kinder, die ihn nie akzeptieren – und das ist völlig in Ordnung. Man sollte ihnen einen Schnuller nicht aufzwingen.
Gabriela: Der Schnuller fällt einfach immer wieder heraus. Wir haben es wirklich oft versucht. Allein für Autofahrten wäre es praktisch gewesen.
Oskar: Dann würde ich es dabei belassen. Das hat auch Vorteile – er muss später keinen Schnuller mehr abgewöhnen. Gleichzeitig braucht er im Moment natürlich auch deine Nähe. Dein Geruch gibt ihm Sicherheit. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, dass du ein T-Shirt ein oder zwei Tage trägst und es dann in sein Bett legst. Oder ein Tüchlein mit etwas Muttermilch. So bleibt für ihn etwas Vertrautes da. Entscheidend ist aber, dass er in den nächsten Wochen und Monaten Schritt für Schritt lernt, ohne Einschlafhilfe einzuschlafen. Und diese Einschlafhilfe bist im Moment vor allem du, oder?
Gabriela: Würdest du das am Tag üben? Nachts stelle ich mir das ehrlich gesagt ziemlich schwierig vor – auch für mich. Im Moment finde ich nachts selbst wieder gut zur Ruhe. Tagsüber kann ich experimentieren, da habe ich Zeit. Aber nachts fühlt sich das gerade sehr schwer an.
Oskar: Ja, unbedingt tagsüber. Dafür eignet sich der Tag viel besser. Nachts brauchen alle möglichst viel Ruhe.
Gabriela: Also jeweils dann, wenn er schlafen geht?
Oskar: Genau. Wichtig ist auch die innere Uhr. Sie ist in diesem Alter noch nicht ausgereift und braucht regelmäßige Signale. Ein möglichst gleichmäßiger Tagesablauf mit wiederkehrenden Ritualen hilft dem Kind zu verstehen, was als Nächstes kommt. Regelmäßige Mahlzeiten, wiederkehrende Abläufe und feste Schlafrituale geben Orientierung. Natürlich entwickelt sich das nicht von heute auf morgen, sondern Schritt für Schritt. Kleine Kinder haben noch kein Zeitgefühl – sie lernen vor allem über Wiederholung.
Gabriela: Das merken wir tatsächlich. Morgens laufen die Dinge immer gleich ab. Ich mache mein Frühstück und Miro ist dabei. Er weiß genau, was danach kommt. Auch abends ist das schön zu beobachten: Wir schließen gemeinsam die Storen, ziehen den Pyjama an und dann merkt man richtig, wie er in den Schlafmodus wechselt. Er weiß, dass jetzt gleich gestillt wird und danach geschlafen wird.
Oskar: Genau. Das Stillen ist im Moment noch Teil seiner Einschlafhilfe. Gleichzeitig merkt man, dass er die Rituale bereits versteht. Das ist eine gute Voraussetzung. Der nächste Schritt besteht darin, ihn müde, aber wach ins Bett zu legen und ihn dort liebevoll zu begleiten. So wie ich euch erlebe, seid ihr gar nicht mehr so weit davon entfernt, diese Einschlafhilfen langsam und behutsam zu reduzieren.
Gabriela: Da braucht es ein bisschen Mut. Es ist ja auch ein Loslassen – auch aus Sicht einer Mama.
Oskar: Genau. Das sind die ersten Schritte in die Selbstständigkeit, und sie sind wichtig. In den ersten Lebenswochen und -monaten entsteht eine enge Bindung. Das Kind ist noch ganz stark mit den Eltern verbunden. Gleichzeitig beginnt nun ein neuer Entwicklungsschritt: Es lernt nach und nach, mit Stress und Gefühlen – zum Beispiel beim Einschlafen – selbst umzugehen.
Gabriela: Du denkst also, dass er das in diesem Alter schon kann? Ich frage mich oft: Was kann ich ihm schon zutrauen? Was ist angemessen?
Oskar: Man kann nicht sagen: Jetzt kann er es. Das ist kein Schalter, der plötzlich umgelegt wird. Es ist ein langsamer Prozess über Wochen und Monate. Man beginnt einfach damit: Du legst ihn hin, bleibst bei ihm und bist ganz nah. Das kann auch im Elternbett sein. Wichtig ist, dass du ihm nicht sofort die Brust gibst, sondern einfach da bist. Sprich ruhig mit ihm, summe vielleicht etwas oder singe ihm vor. Zeige ihm, dass du nicht weggehst. So kann er Schritt für Schritt lernen, ohne die bisherigen Einschlafhilfen einzuschlafen.
Oskar: Wo schläft Miro im Moment eigentlich? Das ist ja im ersten Lebensjahr eine ganz zentrale Frage.
Gabriela: Das war bei uns von Anfang an ein großes Thema. Wir haben extra ein großes Beistellbett gekauft, das er bis etwa vier Jahre nutzen könnte. Aber nach der Geburt wollte er einfach nicht darin liegen. Eigentlich begann das schon auf dem Wickeltisch – sobald wir ihn hinlegten, gab es großes Geschrei. Auch Babynestchen oder der flach verstellbare Autositz waren nichts für ihn. In den ersten zwei Wochen hat er praktisch nur auf mir geschlafen. Danach habe ich ihn Schritt für Schritt etwas weiter von mir entfernt, bis er schließlich neben mir lag. So schlafen wir heute noch zusammen im Familienbett. Inzwischen schläft nur noch Miro mit mir dort, weil das für uns beide sehr gut funktioniert. Wenn er nachts aufwacht, meldet er sich ganz ruhig. Oft reicht schon eine kleine Berührung oder ich rücke etwas zur Seite. Manchmal sucht er die Brust. Mein Mann konnte dabei allerdings nicht gut schlafen und war danach oft lange wach. Für mich funktioniert es dagegen erstaunlich gut. Trotzdem war die Entscheidung für das Familienbett am Anfang nicht einfach.
Oskar: Aber euch geht es gut damit, oder? Grundsätzlich gilt: Never change a winning team. Wenn ihr beide gut schlaft und euch mit dieser Lösung wohlfühlt, dann ist das für euch das passende Schlafarrangement.
Gabriela: Genau, aber was mich beschäftigt hat: Ist das gefährlich? Wie riskant ist es eigentlich, wenn Miro bei uns im Bett schläft?
Oskar: Grundsätzlich ist das nicht gefährlich. Wir müssen uns bewusst sein, dass es ein natürliches Bedürfnis ist, mit anderen Menschen zusammen zu schlafen. Studien zeigen, dass rund zwei Drittel der Menschen besser schlafen, wenn jemand neben ihnen liegt. Nur etwa ein Drittel schläft lieber allein. Auch aus evolutionärer Sicht haben Menschen immer gemeinsam geschlafen. Und wenn wir in andere Kulturen schauen – etwa nach Asien oder Südamerika –, sehen wir, dass das dort bis heute ganz selbstverständlich ist.
Gabriela: Genau.
Oskar: Warum sollten Kinder dieses Bedürfnis also nicht auch haben? Natürlich gibt es Kinder, die gut allein schlafen. Aber in den ersten Lebensmonaten geht es vor allem darum, eine sichere Bindung aufzubauen. Das gemeinsame Schlafen kann dieses Bedürfnis nach Nähe erfüllen. Letztlich ist es aber immer eine individuelle Entscheidung der Familie. Ihr habt euren Weg gefunden, und für euch scheint er gut zu passen.
Oskar: Du hast nach der Sicherheit gefragt. Die meisten Eltern denken dabei zuerst an den plötzlichen Kindstod. Zum Glück ist dieser heute sehr selten geworden. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Häufigkeit stark zurückgegangen. Wenn ein Baby im Elternbett schläft, gibt es einige Vorsichtsmaßnahmen: Das Bett sollte ausreichend groß sein – ein 1,20 Meter oder gar 1 Meter breites Bett ist dafür zu klein. Ein grosses Doppelbett ist besser geeignet. Außerdem sollte es kein Wasserbett sein und die Bettdecke nicht zu schwer. Raucht ein Elternteil, sollte das unbedingt mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt besprochen werden.
Oskar: Grundsätzlich spricht aber nichts gegen ein Familienbett. Im Gegenteil: Wir wissen heute, dass die Nähe zu den Eltern auch schützende Faktoren mit sich bringt. Stillen gehört ebenfalls dazu. Deshalb sollten wir nicht nur mögliche Risiken, sondern auch diese schützenden Faktoren berücksichtigen. Entscheidend bleibt, dass jede Familie die Lösung findet, die für sie am besten passt. Ich finde, ihr habt euren Weg gut gefunden, und ich freue mich, dass ihr euch auch von älteren Vorstellungen nicht habt verunsichern lassen.
Gabriela: Ich merke einfach, dass es Miro gut geht. Er wirkt zufrieden. Und ich spüre diese schützenden Faktoren auch selbst. Ich werde sofort wach, wenn er sich bewegt oder kurz hustet. Ich bin gleich da, und das beruhigt auch mich. Obwohl meine Antennen ständig eingeschaltet sind, schlafe ich gut. Das Beistellbett erfüllt trotzdem seinen Zweck: Es erweitert unser Bett und schützt ihn davor, herauszufallen. Seit er mobiler wird, haben wir zusätzlich Schutzgitter angebracht. Im Grunde ist daraus ein großes Babybett geworden. Und inzwischen beginnt ihn auch das Beistellbett zu interessieren – manchmal krabbelt er hinüber und schaut sich dort um.
Oskar: In den nächsten Monaten wird sich das Schlafarrangement wahrscheinlich nochmals verändern. Irgendwann wird Miro aufstehen und selbst aus dem Bett herauskommen. Dann stellt sich ganz neu die Frage: Wo möchte er schlafen? Solange es für euch funktioniert, müsst ihr nichts verändern. Wenn aber ein Elternteil – wie dein Mann – dauerhaft schlecht schläft, lohnt es sich, nach anderen Lösungen zu suchen. Häufig geschieht dieser Übergang im zweiten Lebensjahr. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, zunächst gemeinsam auf einer Matratze im Elternzimmer zu schlafen und diese später ins Kinderzimmer zu verlegen. Es gibt verschiedene Wege. Grundsätzlich spricht aber nichts gegen ein Familienbett, solange es für alle passt.
Gabriela: Und wie ist das mit den Schlafzyklen? Es gibt Nächte, in denen Miro fast stündlich aufwacht. In einer guten Nacht schafft er vielleicht drei Stunden am Stück.
Oskar: Das ist ganz normal. Auch wir Erwachsenen wachen nach jedem Schlafzyklus kurz auf – wir finden einfach selbstständig wieder in den Schlaf. Babys müssen diese Fähigkeit erst entwickeln. Genau darüber haben wir gesprochen: Sie lernen in den ersten beiden Lebensjahren Schritt für Schritt, sich selbst zu beruhigen und wieder einzuschlafen. Solange Miro neben dir schläft, wirst du diese kurzen Wachphasen natürlich häufiger mitbekommen. Auch in zwei Jahren wird er zwischen den Schlafzyklen kurz erwachen – der Unterschied ist, dass er dann meist allein wieder einschlafen kann.
Gabriela: Es geht also darum, ihn in diesen nächsten Schlafzyklus zu begleiten und ihm nach und nach zuzutrauen, selbst wieder hineinzufinden.
Oskar: Genau. Gerade im ersten Lebensjahr verändert sich rund um den Schlaf unglaublich viel. Solange es euch als Familie gut geht und ihr nicht unter dauerhaftem Schlafmangel leidet, gibt es nicht den einen richtigen Weg. Entwicklung braucht Zeit.
Oskar (Outro): Guter Schlaf entsteht nicht über Nacht, sondern Schritt für Schritt. Babys lernen Schlaf nicht allein – sie lernen ihn in Beziehung. Nähe, Vertrauen und Geduld helfen ihnen dabei, ihren eigenen Rhythmus zu finden. Danke fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge von Kompass Kindheit.
Hilfreiches
Sachbuch Kompass Kind – 99 Antworten, die Eltern Orientierung geben
von Oskar Jenni
Im Buch Kompass Kind finden Sie Antworten zu den Themen rund ums Schlafen bei den Fragen 15-23.
Podcast Kompass Kindheit
«Die berührendsten Geschichten über Kindheit entstehen dort, wo Menschen offen von ihren Erfahrungen erzählen.»
Kinder grosszuziehen wirft täglich neue Fragen auf. Oskar Jenni lädt ein – zu Gesprächen, die bewegen, ganz neuen Perspektiven, und Wissen das bleibt. Von den ersten Tagen nach der Geburt bis ins junge Erwachsenenalter.

